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Drei (Schul -) Welten prallen aufeinander

- oder -
Politik GK an der Marienschule

Jeden Mittwoch und Freitag machten wir, die LG Fraktion, bestehend aus Julia Kessler, Michel Tauch, Anne Herold, Jakob Käfer und Johannes Bendzulla uns auf, um an der Marienschule - man mag es kaum glauben - einen der wohl amüsantesten und gediegendsten GK zu besuchen, den wir in unserer Oberstufenzeit erleben durften. Dass dies so war, ist vor allem zwei Umständen zu verdanken:
1) Der explosiven Schülermischung:
Unser Kurs besaß durchschnittlich (es gab während den 2 Jahren Ab- und Zugänge) etwa 20 Schüler, die drei rivalisierenden Gruppierungen angehörten: 4 kamen vom Schloss, 5 vom LG und 11 waren auf der Gastgeberschule beheimatet. Diese Konstellation erwies sich schon bald als potentieller Konfliktherd - Verbalattacken waren an der Tagesordnung, wurden von jeder Partei an die jeweils anderen beiden gerichtet und beinhalteten hauptsächlich Lästereien und Witze über die Schule der gegnerischen Fraktion. Vor allem wir LGler waren Ziel solcher Scherze, die sich meist auf die mangelhafte Ausstattung unserer Schule bezogen, besonders von Seiten der Marienschüler, die durch ihre privaten Geldgeber (Bistum Trier) eine geradezu luxuriös eingerichtete Lehranstalt besuchen konnten.
2) Der Präsenz unseres Lehrer Herr Schuler:
Zu solchen Angriffen leistete auch unser Kursleiter gerne und mit sichtbarem Vergnügen seinen Beitrag, zum Beispiel durch Berichte aus seiner Referendariatszeit, während dieser seine Kollegen und er immer gehofft hatten, nicht am LG zum Einsatz zu kommen, da es dort im Winter auf Grund der schlechten Heizung immer so kalt gewesen sei. Aber auch sonst war Herr Schuler immer für Foozereien zu haben und auch sein Unterricht war äußerst locker - meist wurde erst angefangen, nachdem die Schlosser angekommen waren und fast immer durfte die Belegschaft freitags früher gehen, da wir in der sechsten und siebten Stunde Unterricht hatten. Zeitdruck gab es nie, manchmal hatte es den Anschein, als hätten 2 statt 4 Wochenstunden gereicht, um den Pflichtstoff durchzubringen. Auch wurde uns ab und an echtes Alternativprogramm geboten, beispielsweise James Bond - Golden Eye auf einer der Beameranlagen des Hauses. Die Kursarbeiten waren überwiegend fair, es wurde (bei einem gewissen Maß an Vorbereitung) nie Unmögliches verlangt. Ebenso erfreulich war der gänzliche Verzicht auf unangekündigte Lernerfolgskontrollen.
Man hätte es nicht für möglich gehalten, an dieser als "Nonnenbunker" verschrieenen Schule einen solchen Kurs zu finden.

Für uns LGler war der Besuch dieser Lehranstalt immer etwas seltsam - man kam sich vor wie ein Fremdkörper in diesem übersauberen schulischen Mikrokosmos. Schon beim Betreten des Gebäudes wurde einem bewusst, dass hier alles ein bischen anders läuft: Zu jeder Zeit drang einem Putzmittelgeruch in die Nase, den die bereits nach der fünften Stunde aktiven Reinigungskräfte verbreiteten, alle Gänge waren sauber ebenso wie alle anderen Einrichtungsgegenstände, alle Wände waren einheitlich und korrekt gestrichen, keine Tags oder Schmierereien zerstörten das harmonische Gesamtbild. Auch die Einrichtung war perfekt, angefangen bei der vorhandenen Seife und den Handtüchern auf den Toiletten über die Waschbecken und Computer in den Klassenräumen bis hin zu den 5 (!) Beamern, die in den Funktionräumen der Schule der wissensdurstigen Schülerschaft zur Verfügung stehen. Auch die Arbeitshaltung unserer Kurskollegen, die jene Anstalt fast die Hälfte ihres Lebens besucht hatten, hob sich deutlich - im positiven Sinne - von der unsrigen ab. Diese Tatsache lässt sich sogar an Hand einer Statistik erkennen, die Herr Schuler am Ende von 13/2 scheinbar in einem Anflug von akuter Langeweile zusammengetragen hat. Diese einmalige Dokumentation unseres Kurses wurde uns von ihm zur Verfügung gestellt, dafür an dieser Stelle nochmals vielen Dank.
Doch lassen wir die Zahlen (teils gerundet) sprechen:

Allgemein:
Erster Tag: 03.08.01
Letzter Tag: 28.03.03

242 Unterrichtsstunden, 30 Ausfälle
12/1 20 Schüler, 3 Abgänge, 3 Zugänge

Fehlstunden (FS):
242 Std à 20 Schüler --> 4820 Std
MS: 93 von 2420 Std (davon 1 unentschuldigt)
3%, Durchschnitt: 9 Std
LG: 183 von 1328 Std (davon 65 unentschuldigt)
13%, Durchschnitt: 30 Std, davon 10 unentschuldigt
Schloss: 31 von 968 Std (davon 0 unentschuldigt)
3%, Durchschnitt 8 Std

Spitzen:
MS: Hoch: 21 FS; Tief: 2 FS
LG: Hoch: 66 FS; Tief: 22 FS
Schloss: Hoch: 12 FS; Tief: 0 FS

Kursarbeiten:
7 Stück, gesamt 145 Arbeiten
Durchschnittliche Korrekturzeit: 30 min --> 72 Std = 3 Tage

MS: 766 Notenpunkte (NP) bei 82 Arbeiten: Durchschnitt: 09,34
LG: 240 NP bei 35 Kursarbeiten: Durchschnitt: 06,86
Schloss: 279 NP bei 28 Arbeiten: Durchschnitt: 07,21

Kursschnitt: 1225 bei 145 Arbeiten:
Durchschnitt: 08,45 d.h. etwa 67, 25 % der max. zu erreichenden Punkte pro KA

Zeugnisnoten:
84 Halbjahrsnoten

MS: 457 Pkt bei 47 Noten --> Durchschnitt: 09,72
LG: 145 Pkt bei 21 Noten --> Durchschnitt: 06,90
Schloss: 129 Pkt bei 16 Noten --> Durchschnitt: 08,06

Kursschnitt: 731 Pkt bei 84 Noten --> Durchschnitt: 08,70

Unterrichtsmaterialien:
Tafelbilder: 12/1: 30; 12/2: 31; 13/1: 20; 13/2: 16; Gesamt: 97
Texte: 41
Karrikaturen: 19
Abkürzungen: 64
Filme (offiziell): KSZE, Mauerbau, RAF `77
Hefte (Informationen zur polit. Bildung): 10
Kopien: 55
Folien: 33
1 Ganzschrift (A.Giddens, Entfesselte Welt)

Themenfelder:
- Welt nach '45, EU / UNO, Entwicklungsländer
- Liberalismus, Marxismus - Sozialismus, Konservatismus, Rechtsextremismus, Linksextremismus
- Grundrechte + Grundwerte, Ökonomische Probleme
- Großbritanien, A.Giddens

Bei all diesen Angaben fällt auf, dass die LGler mit recht großem Abstand in jedem Punkt am schlechtesten abschneiden, ausgenommen die Fehlstunden, bei denen wir absolute Spitzenreiter sind (Zur besseren Orientierung sind die folgenden verwendeten Zahlen in der Statistik unterstrichen). Unsere durchschnittliche Fehlzeit liegt bei 13 % der Gesamtstundenzahl, die man hätte anwesend sein können, wobei die der MS bzw des Schlosses 3% beträgt. Nun stellt sich die Frage, ob diese 10 % mehr Fehlstunden auch in einer um 10 % geringeren Endleistung resultieren, verglichen mit der des Schlosses bzw der MS oder ob sie geringer ausfällt und sich so eine bessere Privatlernleistung feststellen lässt, also eine effizientere, vom Unterricht unabhängigere Vorbereitung.
Ausgehend von 15 Punkten bedeuten 10 % weniger Leistung also 1,5 Notenpunkte.
Betrachtet man die Kurarbeitsnoten, zeigt sich folgendes: Bei der MS beträgt die KA - Durchschnitt 09,34, bei den Schlossern 07,21 Notepunkte, woraus sich ein Durchschnitt von 08,27 ergibt. Die Differenz zwischen LG (06,86) und Schloss / MS (08,27) liegt demnach bei 1,41 Punkten, die Endleistung ist also nur um ca. 9 % schlechter.
Vollzieht man die Rechnung im Rahmen der Zeugnisnoten, zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die MS hat einen Zeugnisnotendurchschnitt von 09,72, bei den Schlossern beträgt er 08,06, was einen Gesamtdurchschnitt von 08,89 ergibt. Der Notenabstand zwischen LG (06,90) und MS / Schloss (08,89) liegt hier also bei 1,99 Punkten oder ca. 13 %, was wohl auf die Mitarbeitsnoten zurückzuführen ist, welche die Zeugnisnoten von Schlossern bzw MS wesentlich mehr gehoben haben als die von uns LGlern.
Ein eindeutiger mathematischer Zusammenhang zwischen Fehlstunden und Leistung lässt sich also nicht feststellen. Zudem konnte die Rechnung leider auch nicht unser unterdurchschnittliches Abschneiden bzw unsere übelen Leistungen relativieren, einen Versuch wars aber wert :]

Rückblickend betrachtet waren die Politikstunden meist eine echte Gaudi und es fast schon ein bischen schade, dass diese Zeit mit unserer Schullaufbahn jetzt zuende ist.

Zum Abschluss noch ein paar
Schuler - Sprüche:

Thema Kursarbeit
S.: "Wenn die schlecht wird, spring ich vom Dach!"
L.: "Bei deinen Deutschkenntnissen findest du nicht mal den Weg nach oben."

L. zu S., der Hackysack spielen:
"Hör auf, sonst muss ich dir dein zentralafrikanisches Hirsesäckchen plattstechen."

L. erklärt Rezession:
"Nicht Depression. Depression ist, wenn ihr am Freitag die Arbeit zurückbekommt."

S.: "Meine Katze hat gestern auf die Heizung gekotzt."
L.: "Gehn wir vom Thema Katzenkotze zurück zum Thema Familienbild in China. Dort isst man die Katzen und lässt sie net auf die Heizung kotze."


Johannes, (Jakob)

 

...press in de Kopp! Der Abiturjahrgang 2003 des LG Saarbrücken