Unsere Schmacki

Morgens fünf vor zehn am LG, eine kleine Gruppe mehr oder weniger wissbegieriger Chemie-Lkler wartet sehnsüchtig darauf, dass der Unterricht endlich beginnen möge. Ist sie schon da??? Der Blick wandert nach unten... – Nein, das kleine Powerbündel befindet sich zur Zeit noch im Informatikraum, da sie als einziger Computerinsider an dieser Schule ständig von anderen, unaufgeklärteren Lehrern in Anspruch genommen wird. (Nicht wahr, Alke?)
Doch dann, endlich, taucht sie zur Freude ihrer Schüler topmodisch gekleidet wie aus dem nichts auf. Sogleich glänzt sie nicht nur mit ihrem fantastischen Fachwissen („acht plus zehn sind schonmal elf“), nein, sie kommt sogar fast an Herrn Schmidt-Koehls fächerübergreifende Kenntnisse heran, auch wenn sie dabei nicht immer so ganz ins Schwarze trifft: „Wo war das nochmal ? Moskau oder Russland?“ Wenn das Gehirn dann mal auf Hochtouren läuft, vergisst man vor lauter Eifer auch mal die eigene Muttersprache, was großes Verwirren bei der Audienz auslöst: „Ich habe Herrn Stein mehr oder weniger gezwungt zu logen...“. Kein Wunder, dass sie danach etwas verwirrt und desorientiert ist: „Das gehört an die falsche Stelle...“.
Auch wenn sie bei ihren Schülern manchmal ein großes Chaos in ihren überforderten Gehirnen hinterließ, sie war stets, wie sie sich selbst bezeichnete, unser Maßstab – wenn auch ein sehr kleiner. Ihre körperliche Größe steht jedoch in keinem Vergleich zu ihrer geistigen, denn sie setzte die Messlatte in Sachen Kursarbeit immer sehr hoch an.
Schon in der neunten Klasse wuchs sie über sich selbst hinaus, als sie bei einem Test versuchte, das Periodensystem vor unseren angesichts der misslichen Lage neugierig gewordenen Blicken zu verbergen. So verharrte sie den Rest der Stunde auf einem Stuhl stehend mit erhobenen Händen, welche das PSE zusammengerollt festhielten.
Später in der Oberstufe war sie auch stets bemüht, uns den Unterrichtsstoff näher zu bringen. Sie gab die Hoffnung in Sachen Reaktionsgleichungen nie auf, auch wenn einzelne Schüler immer wieder das Talent zeigten, selbst bei einer Fifty-Fifty-Chance konsequent daneben zu tippen, wie z. B. Kiki, der sich einfach nicht mit Redox- und Säure-Base-Gleichungen anfreunden wollte.
Diese Bemühungen reichten von akrobatischen Aktionen (Balancieren und anschließendes Fallenlassen des Orbitalmodells) bis hin zu von ihr verursachten Fontänen aus dem Waschbecken, die (aus reinem Zufall?) auf die Schüler der ersten Reihe niederregneten.
So blieben wir aus Angst vor weiteren Katastrophen immer wach und wurden durch ihre Vergesslichkeit auch noch zum Mitdenken gezwungen: „Wir haben hier eine...Mist, jetzt hab ich den Namen vergessen! Wie nennt man das Teil?“ Daraufhin kombinierte Oschi messerscharf: „Solarzelle!“...Und die Stunde mit dem entsprechenden Thema war gerettet.
In den Fünf-Minuten-Pausen zwischen den Doppelstunden bewies sie ungeahntes Können im Skatspiel mit Oschi und Roman, das sie aber direkt mit dem Gongschlag vor lauter Unterrichtseifer unterbrach. (Oder wollte sie nur einfach nicht verlieren???)
Hiermit betonen wir nochmal, dass es NUR EIN GERÜCHT ist, dass 90% ihrer Versuche nicht funktionieren. Es klappen schon ein paar mehr.... Wenn dann aber doch mal ein Versuch einfach nicht gelingen wollte, wurde aus der sympathischen Frau Schmack -äh Leibrock- ein kleiner, erboste Laute von sich gebender, Giftzwerg. Dies führte zum Gelächter unsererseits und zur Versuchsblockade ihrerseits: „Wenn ja eh nur 10% der Versuche klappen, muss ich die anderen 90% ja erst gar nicht vormachen.“
Schließlich erhielt sie dann doch noch ihre Genugtuung, als wir ihr bei den Proben zu den Experimenten am Tag der offenen Tür unser Nichtkönnen unter Beweis stellten. Ja, stimmt, es ist wirklich nicht so einfach, eine Lösung die Farbe ändern zu lassen, gell Co? Außerdem klappt es nicht immer, eine Gurke zum Leuchten zu bringen, ohne einen Kurzschluss zu verursachen, wie meine Wenigkeit feststellen musste. Auch die Experimente unserer Jungs mit explosiven Gemischen brachten uns alle in Gefahr, vor allem, wenn man die Explosionsgefahr unterschätzt...
Wir möchten uns auch nochmal bei Frau Leibrock dafür bedanken, dass sie sich so viel Zeit genommen hat und zum Einüben der Versuche ihren Samstag opferte. Außerdem verbrachte sie freiwillig, bzw. durch Aufforderung ihres Mannes, viele Mittwochnachmittage mit uns, um uns aufs Abi vorzubereiten. Dies half uns wohl auch, bei den eigenartigen Abiaufgaben dieses Jahres (Aufgabe falsch gestellt; ganze Themenbereiche wie organische Chemie und Kernchemie weggelassen) halbwegs einen klaren Kopf zu bewahren.
Wir werden unsere Schmacki immer in positiver Erinnerung behalten, nicht zuletzt auch weil sie uns zum Abschluss unserer Chemiekarriere ihre Backkünste offenbarte. Obwohl sie selbst nicht vom Resultat, bestehend aus drei verschieden Törtchensorten, überzeugt zu sein schien: „Ich probiere immer gerne mal was Neues aus und die Anderen müssen dann hinhalten. Übrigens, die Schoko-Bananen-Törtchen schmecken für den menschlichen Gaumen etwas seltsam.“ Können wir sie nur auffordern: Erfreuen sie uns ruhig öfter mit ihren Gaumenfreuden!
Sarah Kunz und Corinna Geiger
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